All about Adam

Gestern kam endlich der Beamer (eine unendliche Geschichte, die einen anderen Platz braucht!).
Was ist zur Premiere geeignet? Ein stundenlanger, verwundener Tarkowski-Film? Ein Schwarzweiß-WimWenders von früher? “Spiel mir das Lied vom Tod”?
Es war dann “Heat” von Michael Mann. Irgendwie hatte ich diesen Film vor 11 Jahren verpaßt. Kein Wunder, damals habe ich nur gearbeitet.
Der Film hatte alles, was ich liebe: viel Schwarz und Blau, große Bilder, Action im richtigen Tempo (die moderne ist mir zu schnell), einen messerscharfen Plot, gute männnliche Hauptfiguren (Hirn, Eier und ein paar Falten + eiserner Willen, gebrochen durch tragisch-extistenzialstischen Einschlag).
Eine einfache Geschichte. Cop jagt Gangster. Und von Runde zu Runde wird die Jagd mehr zur persönlichen Konfrontation.
Aber dann der Subplot. Zuerst habe ich jedesmal gezuckt. Was ist das? Das Nibelungenlied mit Marketenderinnen? Sie haben alle Frauen. Oder anders: sie haben alle Probleme mit Frauen. Der Obergangster verliebt sich grade. Der Chefcop wird von seiner Ehefrau wegen permanenter Nichtanwesenheit abserviert. Es geht um den Wunsch, zu jemandem zu gehören und den Drang, sich frei zu bewegen. Was den Frauen ja nicht schadet. Sie wollen Geld, Schmuck, Sicherheit, Kinder und einen Typen, auf den sie stolz sein können. (Keine Babes übrigens, keine Hardbodies, sondern einfach nur Frauen.)
Natürlich geht die Sache zwischen Männern und Frauen gnadenlos schief. Es gibt einen interessanten Drehpunkt, ungefähr im letzten Viertel des Films. Die Geschichte könnte ohne weiteres auf andere Bahnen springen: der Chefcop könnte sich entscheiden, seine Ehe zu retten, statt zu einem nächtlichen Einsatz zu fahren und der Obergangster könnte auf seinen letzten Coup verzichten und mit seiner neugefundenen Liebe gleich abhauen, denn Geld hat er genug. Das geht natürlich nicht, weils dann kein Kino mehr wäre und weil die beiden mittlerweile so ineinander verbissen sind, daß die letzte Konfrontation eine Frage der Ehre ist.
Das Ergebnis? Leichen, Witwen, Waisen und mehrere Kandidaten für die Psychiatrie. Der Gute hat zwar gesiegt, steht aber auf den rauchenden Trümmern auch seines Lebens.

Dieser Beitrag wurde unter Kurzkritiken veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.