Vina Lucia. (Bodegas Paez Morilla Cadiz, Cab Sauv & Tempranillo)
Schmeckt, wie eine teure, kleine Tasche riecht, mit der man mal vor langen Zeiten in der Oper war. Tristan und Isolde etwa, mit einem Mann, den frau begehrt, aber nie bekommen hat. Etwas vergessenes Pfefferminzbonbon, Leder, ein überlagertes Parfümfläschchen.
Mutig, dieser Pfefferminzgeruch und -geschmack.
Ah, jetzt weiß ich, woran mich das erinnert. Es gab mal in den 70ern ein Parfüm namens ANTILOPE de Weil. Und das war genau so. Leder, ein Hauch Parfum, Minze.
_GOOGLE belehrt mich grad eines Besseren: ANTILOPE ist ein
Klassiker von 1945. Und die Kopfnote kommt von Patschuli. Daher also die Assoziation, es sei etwas längst Vergessenes. Patschuli riecht wie verschimmeltes Brot, nur viel besser._
Und ansonsten? Jane bekennt sich zum Spießertum. Wir kehren zum zweiten Mal in derselben Herberge ein. Kennt noch jemand den Spruch: „Wer zweimal mit derselben pennt…“?
He, sagt sie, da weiß man, was man hat. WLAN mit 1Mbit/sec, sogar auf dem Zimmer. Gutes Essen in entspannter Atmosphäre. Dezente Mittouristen, weil uralt. Jane fühlt sich wie die Katze auf dem Schrank. Sieht alles und wird nicht gesehen. Blick auf den Atlantik hinter Glas. Die Palmen vom Sturm gebeutelt.
Ich sehe es anders. Rein ins Leben, in die Bars. Blicke, Sprüche, Scherze, die keine Sau versteht, nicht einmal der, der sie macht. Wenn es Nachts nur nicht so kalt wäre. Aber ich habe vorgesorgt. Mit einer kleinen Pelzstola. Venus im Pelz. Das mag MANN doch, oder?
Archiv des Autors: Elvira
Kurz vor Vollmond
Es gibt Tage, da sollten Frauen in eine Zwangsjacke gesteckt werden und Kommunikationsverbot bekommen. Versteckt die Telefone, die Handys und die e-Mail-Zugänge vor ihnen. Laßt sie lange und ausgiebig heiß baden, steckt sie ins Bett und gebt ihnen ausgesuchte, beruhigende Drogen. Sagt ihnen, daß sie begehrenswert und schön sind und die Welt bald wieder besser aussieht. Die Apokalypse steht nicht bevor, auch wenn sie sie schon am Horizont ahnen.
Am nächsten Tag ist es sicher vorbei. Ich versichere euch, ihr habt allen eine Menge Ärger erspart.
Requiem für das Haus am See
Am Anfang waren ein Paar Zeilen:
„Kindheit im Haus am See.
Die Straße roch nach Nebel
und gebackenem Brot.“
Die Urkonstellation. Großvater und Großmutter, die Admiralin und der erste Mann.
Dann die sieben Jahre, in denen ich selbst versucht habe, den alten Zustand zu rekonstruieren. Die Verabredungen mit Frau Mond auf dem Steg. Flüssiges Silber. Der Rausch der Eiskristalle. Die pastellfarbenen Tage. Die Sommermorgen mit Nebel und Fischgeruch. Es war alles da. Es war alles wieder da und stärker akzentuiert als früher.
Dann habe ich es verloren, das Paradies. Mit der falschen Entscheidung, der falschen Perspektive oder einfach, weil die Zeit abgelaufen war. Oder weil es auf die Dauer nicht funktioniert, die Vergangenheit nachzubauen.
Dann die Provisorien. Ein Rattenloch mit Erdperspektive und eine Plastikschachtel mit Blick in den Himmel.
Und nun wieder das Angebot. Das Licht stimmt. Die Grüntöne stimmen. Die Bildausschnitte stimmen. Der Preis? Zusammensein mit zwei Menschen, 15 Jahre älter. Erziehungsberechtigte, Eltern, Wahlverwandte?
Was hat die Stunde geschlagen? Ich weiß es nicht.
unconditional surrender
Ist es das jetzt wirklich schon? DER MANN und ich scheinen in eine Lebensbahn zu gleiten, die entspannend, verbindlich, freiheitlich und hm, einfach das lange Ersehnte sein könnte. Überraschungen? Unsicherheiten? Werden kommen.
Sind die Aufregungen dieses Sommers wirklich schon vorbei?
Hombre segundo hat gerade zur richtigen Zeit den Hut genommen, um den Weg freizumachen. Den Part des Dänenprinzen hat er ausgeschlagen. Schade, ich habe es gemocht, wenn er in meinem Schoß gelegen hat.
Wirklich
Wie sich dieser Satz anfühlt.
Ich bin deine Frau. Bedingungslos, Hoffnungslos, Ausweglos.
Nur, ich bedaure: Ich lasse mich nicht kaufen.
Vorfreude
Vorfreude ist eng verknüpft mit dem Thema „In Erwartung“. Ein kleiner Flug über die Ereignisse eines Tages, der so stattfinden könnte, wenn er denn so stattfindet. Noch fehlt die Energie dessen, der erwartet wird. Die andere Ereignisse hervorrufen kann. Was kommt?
Hamburg. Diesmal nicht unbeständig und kühl. Diesmal moderat warm. Altweibersommer.
Verstanden
Heute morgen bin ich mit dem Gedanken aufgewacht, daß die Erwartung enttäuscht wurde. Voller Gewißheit: es ist vorbei.
In Panik habe ich diese Gewißheit zurückgespiegelt.
Ich hatte mich getäuscht. Meine Mail hat nur Befremden ausgelöst. Schwierig, da wieder rauszukommen.
***
Es ist wieder da, DAS KIND. Laute Musik am anderen Ende der Wohnung. Wir sind nicht mehr allein und auch der Kühlschrank ist wieder voll.
Also doch
Jetzt läuft er an, der Film. IN ERWARTUNG. In Erwartung von was?
Ich könnte es nicht einmal formulieren. Faktenloses getragenwerden, ereignisloses geborgenfühlen, alles niedersinken und fallenlassen. Das das nicht reicht, weiß ich.
Hoffnungslos
Hamburg. Unbeständig und Kühl. Hitzespitzen und Kontrollverluste nur in scharf umgrenzten Gebieten.
Vier Tage später warte ich darauf, daß der Projektionsappaarat in mir klappernd und flackernd anspringt, um mir den ewig gleichen Film zu liefern: IN ERWARTUNG, 35 mm, wieder einmal ein neuer dirctors cut. Nichts. Das Geschenk war zu groß, ein Abonnement darauf zu erwarten, wäre weder denkbar noch wünschenswert.
Surfpoesie
Ich experimentiere. Telefonate mit einem Menschen, den ich sonst nicht kenne, mit dem mich wenig verbindet. Abgesehen davon, daß wir beide auf der Suche sind.
Sich noch nie gesehen zu haben – abgesehen von schlechten Fotos – erhöht die Spannung, aber auch die Gefahr unhaltbarer Projektionen.
Er hat es lustvolles Stochern im Nebel genannt. Und bricht immer wieder in Klagen darüber aus, fehlzutreten, auf Widerstand zu stoßen, ins Leere zu greifen oder den idealen Moment vom letzten Mal nicht wiederzufinden.
Ich halte es mit den Surfern. Auf dem Board im Wasser treiben, am Sog des Wassers die kommende Welle spüren. Ihre Geschwindigkeit aufnehmen, aufsteigen. Sie dann zu reiten, ist ein Versuch mit offenem Ausgang. Alles ist möglich. Der Rausch, sich mit der Energie des Wassers über die Welt zu erheben oder der ersehnte und gefahrvolle Moment absoluter Intimität in einem Wassertunnel. Wahrscheinlicher sind abgebrochene Versuche und Stürze. Todesangst gar, wenn die brechende Welle den kleinen Menschen auf den Grund prügelt. Und noch wahrscheinlicher ist das: Naja, war ok. und die Überlegung, vielleicht den Strand zu wechseln. Denn genau die Strände, an denen wir nicht sind, haben die perfekteren Wellen. Sagt man.