Fliegen macht es möglich. Die Klimananlage vom Flieger quirlt auch die letzte Bakterie, die sich in einer Ecke verzweifelt festhält, auf menschliche Schleimhäute. Wahrscheinlich kann man Stewardessen problemlos in Seuchenkrankenhäuser schicken, die sind gegen alles immun. Ich habe mir eine nette Kollektion Krankheitserreger in der letzten Woche mitgebracht: viel Magen-Darm-Virus (lange nicht mehr auf nüchternen Magen gekotzt), etwas Schnupfen, ein paar Halsbakterien und jede Menge Kreislaufdowner-Viren.
Elvira ist das alles egal. Sie surft seit gestern auf www.liebe.de. Hat ein geil aussehendes Bild von sich ins Netz gestellt und eine Anspruchsliste formuliert und ist entäuscht über das Echo: ältliche Pharmareferenten und „Schmusekater“ unbekannter Profession, die sie umgehend verwöhnen wollen. Der erträumte eigentlich Romane schreibende Volljurist bleibt aus.
Ich verzweifele an simpelster HTML-Programmierung. Weil ich immer noch kein dreispaltiges layout hinbekomme, halte ich die Kommentarfunktion noch immer schamhaft ausgeschaltet. Besser is.
Archiv des Autors: GI Jane
Jubiläum
Gestern abend im Palast der Republik. „Singing“ eine Aufführung, die Arbeiterkampflieder gegen Texte der kommunistischen Theorie setzte. „Kreativität ist Bestandteil von Produktivität“ gegen „Brüder…Sonne…Freiheit“. Emotionalität, Wünsche und Träume im Gesang, Technosprech in der Theorie. Das alles getragen von verfremdet marschierenden Schauspielern und Sängern.
Keine bahnbrechende Inszenierung, aber platziert an einem denkwürdigen Tag. Ich hatte es zunächst nicht bemerkt, als ich den Termin ausgesucht hatte. Nun saß ich am 55. Jahrestag des versunkenen Staates im Foyer seines Volkspalastes in einer Veranstaltung, die mit eben den gleichen Quellen arbeitete, wie die großen Galaprogramme der Arbeiter-und Bauern-Macht. Wenn mir jemand vor 20 Jahren einen Schnappschuß von diesem Abend gezeigt hätte, hätte ich geglaubt, ich wäre in einen Sience Fiction, in ein Paralleluniversum geraten. Die mächtige Ruine, befreit von allem Pomp und Schmuck. Stahlträger wie dunkle Knochen, dazwischen ernst marschierende Menschen in Alltagskluft.
Ich hätte Angst bekommen, vor dem, was mich erwartet.
GI Jane
Hart aber herzlich. Liebt Technik mehr als Menschen. Schraubt Marmeladengläser und Zahnpastatuben immer zu. Mag nur manchmal Nutella.
Ist in ständigen Kraftproben mit jedem Mann, der nicht bei Drei auf dem Baum ist. Beim Schwimmen, beim Schrauben und Löten. – Die Liste ist beliebig fortsetzbar.
Ist ihr eigener Mann/ihre eigene Frau.
Elvira

Weich, weiblich, sanft. Eine Ansammlung von Klischees. Wirkungsvolle Klischees, alles was recht ist.
Durchgangsverkehr?
Wir sind eine Berliner WG. Elvira, GI Jane und das (mittlerweile öfter aushäusige) Kind.
Was aufschreibbar ist, wird aufgeschrieben. Auf den einleitenden Satz „Liebes Tagebuch“ wird verzichtet.
Wir zeichnen hier die eine oder andere Begegnung mit unseren lieben Mitmenschen auf und kommentieren sie. Um den berühmten BILD-Zeitungs-Effekt zu vermeiden und dem Datenschutz zu genügen, sind alle handelnden Personen zwar nicht ausgedacht, aber verfremdet.
Wem wir trotzdem auf den Schlips/das Gucci-Kleid getreten sind, der lasse uns dies bitte wissen und verzeihe uns.
Argh!
Und führe uns nicht in Versuchung, Sachen ins Netz zu stellen, die noch nicht einmal annähernd fertig sind.
Mea maxima culpa.
Elvira verabredet sich für heute abend mit einem Typen und ich darf Überstunden schieben und HTML lernen.