Das erste Mal

Zu viele Hände. Zu viele Füße. Die Beine wie aus Holz. Die Arme haben ihr eigenes Leben. Falscher Rhythmus. Schon wieder. Und jetzt? Umdrehen? Zurück? Nach unten durchtauchen?
Die Führung abgeben. Sich leiten lassen. In einen Atem finden. Der Impuls geht in meinen Körper. Einen Schritt weiter und ich schwebe zurück. Treibe den Körper dicht bei mir wieder etwas weiter. Nun liege ich nur noch sanft und weich in seinen Armen, schnurre leise. Bis zum letzten Ton.
Unglaublich, der Liebste kann tanzen. Warum hat er mir das nie verraten?

Seltsames aus Testosteronland

Ich sitze geschäftshalber mit zwei verwegenen Cowboys zusammen. Halbslowene der eine, Serbe der andere. Irgendwann kommt das Gespräch auf mein Privatleben.
– „He sag mal, bist du noch mit dem Typen von damals zusammen?“
Touché. Habe am Abend vorher Fotodateien sortiert und zweimal die Worte gottverd… verlogenes Naundsoweiternixnetteseben benutzt.
– „Frag lieber nicht. Der Typ ist eine ganze Weile Doppeldecker geflogen. Der kommt in meinem Leben nicht mehr vor.“
Der letzte Satz fand nicht so das rechte Gehör. Vor allem bei dem Cowboy, der mich zu Gesprächsbeginn erst kennengelernt hatte.
– „He, der Typ hat disch beleidigt. Du bis eine Frau, muss sagen, wenn du Hilfe brauchs.“
– „Nee du, danke, ich bin auch wieder mit jemandem zusammen und glücklich…“
– „He, das geht nich. Der darf dich nich beleidigen. Das is deine Ehre.“
Dann fielen noch so temperamentvolle Worte wie: Wowohntderischfickdenundbreschihmbeidebeine.
Cowboy Nr.1 und ich hatten rechte Mühe, dem serbischen Jungspund beizubringen, daß dies doch nicht so das rechte Verhalten gegenüber einem ansonsten ganz manierlichen älteren Herren ist, den er dazu doch gar nicht kennt.
Naja, ich buche es mal unter unzeitgemäßer Ritterlichkeit. In den Zeiten serieller Monogamie und partieller Polygamie kann es um Ehre und körperliche Rache wohl kaum noch gehen. Sonst würde die Mitte Crowd knietief im Blut waten.

Wenn

der Liebste schläft, schläft er wie ein Kind. Still und tief, nur manchmal schüttelt ihn ein Traum. Wenn er aus dem Schlaf auftaucht, dann hält er mich fest. Ich liege dicht bei ihm, in seiner Wärme, getragen von seinem Atem. Sein Körper ist für mich Schutzwall und Versteck.

Eine dieser

milden Sommernächte, für die das Podest in meinem Loft eigentlich vor dem Fenster steht.
Ein Test, ob Vina Lucia auch auf Kühlschranktemperatur schmeckt (naja!).
Immer wieder zur Entspannung flach auf den Rücken legen, bis sich der Atem beruhigt hat. Der Liebste bloß und so nah neben mir, daß ich seine Wärme spüre.
Diese Augenblicke sind kostbar, laß sie uns hinüberretten in den langen dunklen Winter, der unweigerlich kommen wird.

LOVE is just another four letter word

Als Zustand durchaus erfahrbar. Aber doch mit so vielen anderen zu verwecheln, die durch unser Fühlen und Sein geistern: Loyalität, Bequemlichkeit, Ergebenheit, Abhängigkeit, Begierde, Wohlwollen, Herrschsucht, Verläßlichkeit, Selbstvergessenheit, Euphorie.
Liebe zu beschreiben, das ist, als würde man in eine UV-Lampe sehen. Da ist was. Licht. Aber doch wieder nicht, weil aus dem Spektrum der Wahrnehmung so weit verschoben. Die vor der bohrenden, wühlenden Selbsterkenntnis von der Seele vermauerte Nische, zu erahnen am Klang der Mauer beim Klopfen.
Im Gegensatz zum Glück das erst erkannt wird, wenn es sich wieder verflüchtigt hat, spürt man sie sofort. An Verhaltensänderungen, körperliche Symptomen. Jeder, den es erwischt hat, kennt das. Und trotz dieser Offensichtlichkeiten wird sie nach ihren Absterben in den meisten Fällen heftig verleugnet.
Ich war ausgehungert, ich brauchte Gesellschaft, wollte versorgt sein, wahrgenommen werden, Sex haben, mich mit meiner Beute sehen lassen etc. Geben wir uns mit der ewigen Unschärfe zufrieden.

Dritte Postkarte nach Hyperborea

Die Stadt kocht und ich darf nicht fliehen. Ich wäre so gern bei dir am Meer. Dort, wo alles hyggelig ist. Ich kenne die Landschaft nur aus dem Winter. Das pulverige Weiß, je tiefer ins Land, desto mörderischer scheint der Schnee für eine Stadtbewohnerin zu sein. Die Fjorde waren zu Weihnachten nichts als schwarze Kanten und Risse am Ende der Welt.
Ich sehne mich nach Wasser, nach stundenlangem Schwimmen, völlig selbstvergessen. Früher oder später hinge ich dann an deiner Angel.

He! Reeespäckt Alta!

Wenn euer größtes Problem selbst mit 50 immer noch heisst: Wie kriegt mann Mädchen resp. Frauen rum? Und wenn die sich dann rumkriegen lassen, weil sie einfach Lust drauf haben. Und ihr danach die Rolle rückwärts macht, weil ihr nix anderes gelernt habt als rumkriegen und alles andere Angst macht.
Dann könnt ich nur böse knurren: Machts euch einfach selber. Und hockt in 10 Jahren schön allein im Altersheim.
Das nur am Rande zu allgemeinen Lage an der Männerfront.

Postkarte nach Hyperborea

Ich stehe in meiner neuen Welt. Noch etwas verwirrt, noch nicht ganz angekommen, aber neugierig.
Was wird die Zeit bringen?

Du spielst mit Fischen, die Wellen flirren, der Nachtwind aber ist kalt. Die Sonne hat sich seit einigen Tagen wieder entschlossen, unterzugehen. Was tust du abends am Feuer mit deinen Brüdern?
Es gäbe eine Reihe von Fragesätzen anzuhängen.
Warum plötzlich? Warum bist du einfach aus der Reihe herausgetreten? Seit wir uns erkannt haben, ist alles anders. Was für eine banale wie tiefgreifende Tatsache.
Haut reibt sich an Haut. Ich fühle mich wohl, wenn ich mich an deine Brust lehnen kann. Du bist erschüttert über eine Berührung und dann. Das Hirn ist noch beschäftigt, Argumente zu produzieren und diese säuberlich auf PRO und CONTRA zu häufen. Die Seele hat inzwischen das Tor geöffnet. Weite entsteht. Ein sanftes Wehen beginnt. Luftaustausch zwischen zwei einst abgeschlossenen Gebieten. Was wird das? Ein kurzer heftiger Sturm? Ein unentschlossener Zug, der in Schwüle stehen bleibt? Turbulenzen? Ist Platz für die gesamte Wetterlage? Für Novembernebel und Schneetreiben?
Zu viele Fragen.