Ist es das jetzt wirklich schon? DER MANN und ich scheinen in eine Lebensbahn zu gleiten, die entspannend, verbindlich, freiheitlich und hm, einfach das lange Ersehnte sein könnte. Überraschungen? Unsicherheiten? Werden kommen.
Sind die Aufregungen dieses Sommers wirklich schon vorbei?
Hombre segundo hat gerade zur richtigen Zeit den Hut genommen, um den Weg freizumachen. Den Part des Dänenprinzen hat er ausgeschlagen. Schade, ich habe es gemocht, wenn er in meinem Schoß gelegen hat.
Archiv der Kategorie: Elvira
Wirklich
Wie sich dieser Satz anfühlt.
Ich bin deine Frau. Bedingungslos, Hoffnungslos, Ausweglos.
Nur, ich bedaure: Ich lasse mich nicht kaufen.
Vorfreude
Vorfreude ist eng verknüpft mit dem Thema „In Erwartung“. Ein kleiner Flug über die Ereignisse eines Tages, der so stattfinden könnte, wenn er denn so stattfindet. Noch fehlt die Energie dessen, der erwartet wird. Die andere Ereignisse hervorrufen kann. Was kommt?
Hamburg. Diesmal nicht unbeständig und kühl. Diesmal moderat warm. Altweibersommer.
Verstanden
Heute morgen bin ich mit dem Gedanken aufgewacht, daß die Erwartung enttäuscht wurde. Voller Gewißheit: es ist vorbei.
In Panik habe ich diese Gewißheit zurückgespiegelt.
Ich hatte mich getäuscht. Meine Mail hat nur Befremden ausgelöst. Schwierig, da wieder rauszukommen.
***
Es ist wieder da, DAS KIND. Laute Musik am anderen Ende der Wohnung. Wir sind nicht mehr allein und auch der Kühlschrank ist wieder voll.
Also doch
Jetzt läuft er an, der Film. IN ERWARTUNG. In Erwartung von was?
Ich könnte es nicht einmal formulieren. Faktenloses getragenwerden, ereignisloses geborgenfühlen, alles niedersinken und fallenlassen. Das das nicht reicht, weiß ich.
Hoffnungslos
Hamburg. Unbeständig und Kühl. Hitzespitzen und Kontrollverluste nur in scharf umgrenzten Gebieten.
Vier Tage später warte ich darauf, daß der Projektionsappaarat in mir klappernd und flackernd anspringt, um mir den ewig gleichen Film zu liefern: IN ERWARTUNG, 35 mm, wieder einmal ein neuer dirctors cut. Nichts. Das Geschenk war zu groß, ein Abonnement darauf zu erwarten, wäre weder denkbar noch wünschenswert.
Surfpoesie
Ich experimentiere. Telefonate mit einem Menschen, den ich sonst nicht kenne, mit dem mich wenig verbindet. Abgesehen davon, daß wir beide auf der Suche sind.
Sich noch nie gesehen zu haben – abgesehen von schlechten Fotos – erhöht die Spannung, aber auch die Gefahr unhaltbarer Projektionen.
Er hat es lustvolles Stochern im Nebel genannt. Und bricht immer wieder in Klagen darüber aus, fehlzutreten, auf Widerstand zu stoßen, ins Leere zu greifen oder den idealen Moment vom letzten Mal nicht wiederzufinden.
Ich halte es mit den Surfern. Auf dem Board im Wasser treiben, am Sog des Wassers die kommende Welle spüren. Ihre Geschwindigkeit aufnehmen, aufsteigen. Sie dann zu reiten, ist ein Versuch mit offenem Ausgang. Alles ist möglich. Der Rausch, sich mit der Energie des Wassers über die Welt zu erheben oder der ersehnte und gefahrvolle Moment absoluter Intimität in einem Wassertunnel. Wahrscheinlicher sind abgebrochene Versuche und Stürze. Todesangst gar, wenn die brechende Welle den kleinen Menschen auf den Grund prügelt. Und noch wahrscheinlicher ist das: Naja, war ok. und die Überlegung, vielleicht den Strand zu wechseln. Denn genau die Strände, an denen wir nicht sind, haben die perfekteren Wellen. Sagt man.
Was uns verbindet
Mein kleiner Mr. Big wartet nur auf ein Wort, eine Geste von mir. Ich behalte mir seit einem Jahr vor, zwar ab und zu Zeit mit ihm zu teilen, aber keine Emotionen. Sein Engagement schmeichelt meinem Ego, aber er ist kein Mann für mich. Der Instinkt hat mich von jeglicher Intimität mit ihm abgehalten. Sonst wäre ich verpflichtet. So fahre ich weiter auf der Einbahnstraße.
Ich wiederum warte auf die Geste vom Mann, der derzeit meine Gedanken füllt. Ich bin auf Empfang geschaltet. Gesendet wird spärlich, wenn auch zuverlässig und kalkulierbar. Meine Kapazitäten würden mehr erlauben. Würde ich es vertragen? In der Zeit, in der er um mich geworben hat, war ich auf dem Rückzug: Zu viel…ich weiß nicht…kann mich nicht positionieren… Für mich sind dann irgendwann die Würfel gefallen und seitdem befinde ich mich in der seltenen Position emotionaler Bedürftigkeit. Nicht gut das und doch scheinbar schicksalhaft.
Shakespeares Sommernachtstraum Lysander liebt Hermia, die wiederum… keine Ahnung, ich bekomme es nicht mehr zusammen. In der Verwirrung der Mittsommernacht fallen die sich versprochenen Paare auseinander und es bilden sich Ketten von Begehren und Flucht, Verlangen und Abstoßung. Wie Magnete, die sich umgepolt haben. Aus der Konstanz zweier Paare wird wüstes Gerenne.
Noch in Shakespeares Zeiten war Leidenschaft etwas Krankhaftes, Unproduktives, Störendes. Erst die deutsch-bürgerliche Romantik erklärte sie zum Ideal. Hölderlin und Diotima, was wäre passiert, wenn sie ein Paar geworden wären? Sehr viel weniger Gedichte, niemand mehr, der zu dem Turm pilgert, in dem der Irre seine letzten Jahre verbrachte. Dafür zerrissene Socken, Geldsorgen, Kindergeschrei etc. pp.
Die Romantik hat nicht nur die hochfliegenden Gefühle gebracht sondern auch die Verantwortung und die Freiheit, für wen wir uns entscheiden können. Jedes klare und entspannte JA beider Seiten entzieht uns die Gefühlsgrundlage und es ist selten, dass beide das gleiche wollen. Jedes ich würde dich wollen, wenn ich dich doch nur bekäme, das JA/NEIN, konserviert Gefühle für lange Zeit. Jedes JA/NA GUT trägt die Sollbruchstelle aller Kompromisse geprägt.
Warum haben wir Zeiten im Leben, wo es uns zu jemandem zieht, den wir nicht bekommen können (wollen?). Wollen wir um jeden Preis die Banalität, in die unsere Euphorie mündet, vermeiden? Warum haben wir Zeiten im Leben, in denen wir selbst nicht wollen, was wir bekommen könnten?
Bis der Tag kommt, an dem wir billigend in Kauf nehmen, dass wir gerade in eine endlos praktische, bodenständige Beziehung gehen, die weit jenseits des eigentlichen Liebespotentials ist. Unconditional surrender. Wir lassen uns schmeicheln von Zuneigung und Aufmerksamkeit, wir verlieben uns in Verliebtheit des anderen und damit in uns selbst.
Bis zum Erwachen und der Frage: Und ich, liebe ich ihn? Lasse ich mich wieder nur lieben? Dieser Mensch passt nicht zu mir und doch habe ich mich so an ihn gewöhnt.
Elvira
It’s never to late being a gentleman
Gestern abend in Berlin Mitte. Die Fete de la Musique löst sich gerade im Gewitterregen auf. Ich fahre mit dem Rad nach Hause und bin naß bis auf die Haut.
Vor dem Club der polnischen Versager sitzen ein paar Herren im Feinrippunterhemd, das Bier in der Hand. Als ich vorbeiradele, höre ich ein charmantes: „Madame, können wir Sie auf ein Glas Wasser einladen?“
Morgenstimmung
Gerade eben, vor einer Stunde, habe ich es begriffen. Es ist vorbei. Ich bin keine Mutter mehr. Das Kind wächst nur noch heran wie eine junge Löwin, mit genügend Essen und Platz, um Anlauf zu nehmen für den Sprung ins Leben. Mein geliebter Zerstörer ist aufgebrochen zu neuen weiblichen Ufern. Garantiert ohne Rückfahrkarte. Zum ersten Mal keine Verpflichtung, die Kontrolle, den Überblick zu behalten, für andere mitzudenken, die letzte Kraft immer in Reserve zu halten.
Ich erlebe Eruptionen von Vitalität. Um mich herum müssen sich derzeit alle anschnallen. Wie oft habe ich getrauert, daß ich meinen Esprit verloren hatte. Habe geglaubt, ich hätte ihn gegen das Altern eingetauscht. Und jetzt habe ich wieder die Kraft, zu fliegen. Mein Leben hat seine gläsernen Wände verloren.
Ich habe Grieg gehört, Peer Gynt. Da war sie plötzlich, die neue Landschaft, die vor mir lag. Unbekannt und doch vertraut, mit Blick bis zum Horizont und Wasser und viel Grün.
Ich werde sanft landen, die Flügel sorgfältig auf meinem Rücken zusammenfalten und hineingehen in das Neue.